Deutsch-Ecke

DEUTSCH-ECKE

Hier erscheinen in loser Folge Themen der deutschen Sprache – zur Klarstellung, als Hilfe in Zweifelsfällen und zur Vertreibung hartnäckig sich haltender Irrtümer.

 

HÄUFIGE FEHLER GEORGISCHER SPRECHER

„gilocavT" ist nicht immer mit Glückwünschen und Gratulieren gleichzusetzen, sondern nur da, wo der Beglückwünschte einen eigenen Beitrag geleistet hat, und sei es nur der, auf die Welt gekommen zu sein. Also: „Herzlichen Glückwunsch / Herzliche Glückwünsche / Ich gratuliere Dir/Euch zum bestandenen Examen, zum Doktor, zum Geburtstag, zur Hochzeit usw.“

Weihnachten und Ostern sind mit Sicherheit keine eigenen Leistungen, daher kann man zu diesen Festen auf Deutsch schlechterdings nicht gratulieren. „gilocavT Sobas / axalwels“ bzw. „aRdgomas“ heißt in der Standardformel „Frohe Weihnachten und alles Gute zum Neuen Jahr“ bzw. “Frohe Ostern“. Häufig gebraucht wird auch „Frohes Fest“, „Frohe Feiertage“, beide für Weihnachten und Ostern. Nur für „gilocav(T) axalwels“ gibt es noch den ziemlich umgangssprachlichen, trotzdem häufigen Kurzausdruck „Guten Rutsch“, Kurzform für „Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr“.

XY und ich „me da Cemi da - me da Cemi ufrosi - me, Cemi profesori da Cemi jgufelebi“ heißt auf Deutsch „meine Schwester und ich - mein Chef und ich - mein Professor, meine Mitstudenten und ich“. Denn es ist höflich, sich an letzter Stelle zu nennen. Das geht bis zu „mein Hund und ich“, auch wenn der Hund die umgekehrte Reihenfolge kaum übelnehmen würde…

 

AUSSPRACHE

Der georgische Akzent im Deutschen ist hauptsächlich durch drei Besonderheiten charakterisiert: durch die Aussprache der Vokale, der Endungen und des „R“.

Aussprache der Vokale. Entschieden zu wenig bekannt ist, selbst unter georgischen Germanisten, dass es für alle Vokale (außer den Diphtongen, also „ei“, „eu“ und „au“) zwei verschiedene Aussprachen gibt: eine lange, geschlossene und eine kurze, offene. Oft sprechen Georgier alle Vokale einheitlich eher kurz aus. Dabei ist die Aussprache häufig sinnentscheidend!

Beispiele: „Er vergisst trennen. – rogor? gaSoreba iwydeba?! Ach, Sie meinten: Er vergießt Tränen!“ –„Die Mitte meiner Wohnung ist hoch – Wieso, sind die Seiten tiefer? Ach, du sprichst von der Miete!“

Wie erkennt man den Unterschied?

- Lange, geschlossene Vokale erkennt man oft an einem „h“ hinter „a, e, o, u, ä, ö und ü“ bzw. einem „e“ hinter „i“. Das „h“ heißt hier passenderweise „Dehnungs-h“, weil es den Vokal in seiner Länge dehnt.

Beispiele: Wahnsinn, dehnen, wohnen, Kuh, wählen, gewöhnlich, kühl, Sieg.

- Kurze, offene Vokale kann man oft an den nachfolgenden Doppelkonsonanten erkennen (nachfolgendes "k“ wird zu „ck“).

Beispiele: Kamm, Welle, wissen, kommen, Mutter, Männer, können, dünn; Acker, Ecke, wickeln usw.

Was macht man aber, wenn solche Anzeichen fehlen? Ein richtig gutes Wörterbuch muss die Aussprache anzeigen. Wenn man keins hat, kann man das Wort im Internet suchen, z.B. unter www.leo.org, und sich die Aussprache dort anhören – und dann gleich die Gelegenheit nutzen und sich die Aussprache ins eigene Wörterbuch eintragen. Dabei wird ein langer Vokal durch einen Unterstrich, ein kurzer durch ein darübergesetztes Häkchen vermerkt.

Aussprache der Endungen. Alle Konsonantendungen werden stimmlos ausgesprochen. Das wird sicher oft gelehrt, aber seltener befolgt. „Gerhard und ich“ werden mit georgischem Akzent zu „Gerharde unnde ich“. Es muss aber klingen wie „Gerhart unt ich“. Am Anfang ruhig etwas übertreiben; wenn es sich dann etwas abschleift, wird es richtig.

Aussprache des R. Am Silbenanfang Rachen-R d.h. Transkriptions-R wie in Rame und RmerTi, in Süddeutschland am Silbenanfang gelegentlich Zungen-R . In der Silbe und am Silben- bzw. Wortende kaum zu hören.

Feinheiten

Betonung und Satzmelodie. Anders als im Georgischen ist die Betonung innerhalb eines Wortes fast so stark – aber zum Glück längst nicht so schwer! – wie im Russischen. Darüber hinaus ist zum guten Verständnis die Satzmelodie wichtig, besonders bei einer Rede, einem wissenschaftlichen Vortrag usw., die schon vom Inhalt her schwierig sind. Das wichtigste Wort eines Satzes oder Satzteiles muss weit deutlicher als im Georgischen mit einem „crescendo“ angesteuert und durch Betonung hervorgehoben werden.

Aussprache von „ch“. Dass das „ch“ nach a, o und u hart, d.h. als Hintergaumenlaut ausgesprochen wird wie bei axali und naxva, dagegen nach allen anderen Vokalen und allen Konsonanten weich, d.h. als Vordergaumenlaut, ist meistens bekannt. Also „Nacht, hoch, Sucht“ haben ein anderes „ch“ als „ich, echt“.

Weniger verbreitet ist die Kenntnis, dass zu den „anderen Vokalen“ auch gehören:

- alle Vokale mit Umlauten, also Lautwechsel von „Nacht“ zu „Nächte“ „hoch“ zu „höchstens“, „Sucht“ zu „süchtig“, und

- die Diphtonge, bei denen mindestens der erste Vokal ein „anderer Vokal“ ist, also weiche Aussprache bei „leicht, euch, bräuchte“ (Lautwechsel zu braucht).

An die weiche Aussprache besonders bei „manchmal, welche usw“ denken.

Ausnahme: In Fremdwörtern wird "ch" oft wie "k" gesprochen: z.B. Chor, Christ.

 

HÄUFIGE FEHLER DEUTSCHER SPRECHER UND SCHREIBER

Einige Fehler haben sich bei deutschen Sprechern und Schreibern eingeschlichen und stiften gelegentlich bei georgischen Deutschkönnern Verwirrung: das stimmt doch gar nicht, oder haben wir etwas Falsches gelernt?

Datum. Am Samstag, dem…

Falsche Vergangenheitsform. Vor- und Nachzeitigkeit sind bekanntlich (imedia!) im Deutschen wichtig. Deshalb gibt es drei Vergangenheitszeiten: du hast gesagt, du sagtest, du hattest gesagt. Erstaunlich häufig kann man hören: „du hast gesagt gehabt“. Der Sprecher scheint vom Wunsch beseelt zu sein, die Vorzeitigkeit besonders deutlich hervorzuheben. Der Weg dahin ist trotzdem falsch, die Form gibt es schlicht nicht, und noch ein Hilfsverb mehr ist so störend wie Sand im Getriebe. Doch kann man sich fragen, ob gegenwärtig eine neue Vergangenheitsform geboren wird. Irgendwann sind auch die anderen einmal entstanden.